20. Januar 2026

Ein Abend mit Renato aus Brasilien

„Mein Vater hielt meiner Mutter das Messer an die Kehle.“

Mit diesem Satz wurde es still in unserem Wohnzimmer.

Am 29. Januar durften wir einen ganz besonderen Abend erleben: Rund 40 Gäste kamen bei uns zu Hause zusammen, um mehr über die Arbeit von educare in São Paulo zu erfahren. Es war ein Abend voller Begegnung, ehrlicher Geschichten, Musik, Lachen – und tiefer Betroffenheit. Unser Patenkind Renato war gemeinsam mit seiner Freundin Samira aus Brasilien angereist. Renato ist in einer Favela in São Paulo aufgewachsen, direkt neben der Cracolândia, einem der größten offenen Drogenviertel der Welt. Er erzählte von einem Leben auf rund 20 Quadratmetern mit sechs Personen, von Armut, Angst und Gewalt. Der Moment, in dem er schilderte, wie sein Vater seiner Mutter ein Messer an die Kehle hielt, ging allen unter die Haut. Das war keine ferne Statistik – das war gelebte Realität.

Doch Renatos Geschichte blieb nicht in der Dunkelheit stehen.

Er erzählte auch von dem Punkt, an dem er eine Entscheidung treffen musste: weiter auf der Straße – oder ein anderer Weg. Durch educare fand er einen Ort, an dem er gesehen wurde, an dem er lernen durfte, dass sein Leben wertvoll ist. Ein Ort, an dem Kinder einfach Kinder sein dürfen – fernab von Gewalt, Drogen und Kriminalität.

Heute ist Renato selbst Fußballtrainer bei educare und begleitet täglich 180 bis 250 Kinder, die dort eine kleine Oase mitten im Chaos der Favela erleben. Für viele ist educare der einzige sichere Ort ihres Tages.

Der Abend war bewusst familiär gestaltet: Wir haben gemeinsam Lieder gesungen, gelacht und gespielt. Ein kleines Quiz mit Fakten über Brasilien – fast wie in der Schule – sorgte für Leichtigkeit und gleichzeitig für Aha-Momente. Besonders schön war, dass auch der Jugendkreis aus Nöttingen (Remchingen) mit dabei war. Jung und Alt saßen zusammen, hörten zu, fragten nach – und ließen sich berühren.

Für uns persönlich war dieser Abend etwas ganz Besonderes. Wir unterstützen educare seit vielen Jahren, haben zwei Patenkinder dort und durften die Arbeit selbst vor Ort erleben. Zu sehen, was aus einem Kind aus der Favela werden kann, wenn es Hoffnung, Begleitung und echte Perspektiven bekommt, bestätigt uns jedes Mal aufs Neue:

👉 Diese Arbeit verändert Leben.

Wir sind dankbar für diesen Abend, für die Offenheit von Renato und Samira – und für alle, die gekommen sind, zugehört haben und diese Arbeit mittragen.

Denn hinter jeder Zahl steht ein Name. 

Und hinter jeder Geschichte ein Mensch.

Leila und Marc Waidelich